KEINE SINGT WIE SIE

Harald Suerland am 8.9.08 - Westfälische Nachrichten

Ihre beste Zeit hat sie hinter sich. Witzbolde raten ihr schon, sich von Lady Day in „Lady Yesterday“ umzubenennen. Und dennoch: Ihr Auftritt in „Emersons Bar and Grill“, bei dem sie von Alkohol und Drogen umnebelt zwischen den Songs aus ihrem Leben erzählt, offenbart noch die ganze Faszination der schwarzen Jazzsängerin Billie Holiday. Christiane Hagedorn taumelt als abgehalfterte Billie „Lady Day“ Holiday hustend auf die Bühne, verpasst mehrfach den ersten Einsatz und beginnt endlich lallend zu singen. Schon nach wenige Tönen wird deutlich: mit ihrer Intonation und ihrem superben Rhythmus-Gespür schafft es die Schauspielerin, sich auf vollkommen individuelle Art den Stil der Sängerin einzuverleiben.

In Carola v. Seckendorffs Inszenierung muss Hagedorn sich optisch nur durch ihre Kleider der historischen Billie Holiday angleichen. Den „Rest“, also das Portrait einer ebenso begeisternden, wie erschütternden Figur, erreicht sie mit ihrem Gesang und der Intensität ihres Spiels. Nicht allein, dass sie in bewährter Bühnen-Manier von einer Stimmung in die andere fällt, sich an die Liebe zu ihren Eltern oder bestimmten Männern erinnert und dann an Misshandlungen denkt, an Jobs als Putzfrau und Prostituierte. Nein, „Billie“ Hagedorn windet sich auch durch die Zuschauerreihen, wühlt auf einem roten Sofa im Hintergrund in Erinnerungsstücken, flirtet mit dem Publikum oder gibt der Verkörperung ihrer Jugend, hinreißend gesungen und gespielt von Anina Schibli, Anweisungen. Ganz gleich, was sie macht, ob sie den Text spricht, singt oder improvisiert: Christiane Hagedorn hat Rolle und Publikum gleichermaßen im Griff…. …. Die Band ist fabelhaft. Und Christiane Hagedorn – ein Ereignis.